Birgit Klein

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 EINE KURZE HISTORIE DES KARTOFFELANBAUS

Die Kartoffel gehört zur Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae). Es sind rund 1700 Arten der Gattung Solanum bekannt. Eine der wichtigsten Arten, die weltweite Bedeutung gewann, ist Solanum tuberosum. Im Gegensatz zu den Früchten verwandter Arten, wie Tomaten oder Paprika, ist es bei der Kartoffel die Knolle, welche zu einem der wertvollsten Grundnahrungsmittel in Europa avancierte.

Die Spanier lernten die Pflanze, die das Gesicht der Äcker und Tafeln Europas verändern sollte, im 16. Jahrhundert von den Inkas als papa kennen. Diese kultivierten die papa bereits seit Jahrunderten in den Anden und hatten schon frühe an verschiedene Anbaulagen und Verwendungszwecke angepasste Kulturformen (Sorten) hervorgebracht. Eine 1536 durch den Spanierer de Quesa geleitete Expedition in Kolumbien "endeckte" die Kartoffel für Europa.

Ca. 1570 gelangten die ersten Kartoffeln über die Kanarischen Inseln, wo sie erstmalig vermehrt wurden, nach Spanien und damit nach Europa. Mit dem Umweg über Italien begannen die Knollen langsam auch in weiteren europäischen Ländern Fuß zu fassen. In der Anfangszeit der Kultivierung wurden Kartoffeln häufig als botanische Raritäten in Ziergärten angepflanzt.

Hier sorgte nicht zuletzt die außergewöhnlich schöne Blüte für eine wachsende Popularität der Pflanze. So wurden seinerzeit in der Schweiz Kartoffeln wegen des schönen Flors als Topfpflanze kultiviert.

Unkenntnis über die richtige Nutzung der Pflanzenteile führte dazu, dass bspw. fälschlich die Kartoffelbeeren verzehrt wurden, was Vergiftungserscheinungen zur Folge hatte. Als Ergebnis hatte die Kulturpflanze zunächst mit einem schlechten Image zu kämpfen.

 

historische Knollen 

Zu Beginn der landwirtschaftlichen Nutzung musste eine züchterische Anpassung der Pflanze an den europäischen Langtag erfolgen, da unter dessen Bedingungen zunächst nur Knollen geringerer Größe entstanden. Die Vorteile des vergleichsweise höheren Hektarertrags als Getreide und des geringeren Aufbereitungsaufwands führten jedoch bald zu einer wachsenden Verbreitung in Mitteleuropa.

Besonders in Irland, das als englische Kolonie einen Großteil der Getreideernte exportieren musste, wurde die Knolle schnell zum nahezu ausschließlichen Nahrungsmittel der Bevölkerung. 
Mit der Einschleppung der Kraut- und Knollenfäule aus Amerika kam es dort aufgrund der enstandenen Abhängigkeit zu einer Hungerkatastrophe in deren Folge über eine Million Menschen starben.

Nach Deutschland gelangte die Kartoffel in mehreren Etappen. Um 1594 kamen die ersten Kartoffeln nach Berlin an den kurfürstlichen Hof. Die Verbreitung in Baden, Braunschweig und Westfalen erfolgte unmittelbar danach. Aus Bayern und der Oberpfalz wird erst um 1716 über den Anbau der Kartoffel berichtet. Aus England wurden Kartoffeln im Jahre 1708 nach Mecklenburg und 1718 nach Breslau importiert. Der erste größere wirtschaftlich relevante Anbau ist um 1750 im Oberharz erfolgt.

Kartoffelbefehl


Der preußische König Friedrich II. musste 1756 seine misstrauischen Bauern per Befehl zwingen, die fremdartigen Knollen anzubauen. Um zusätzlich die Neugier der Bauern an der Kartoffel zu wecken, ließ er rund um Berlin Kartoffelfelder durch Soldaten bewachen. Diese hatten jedoch den Befehl, sich schlafend zu stellen oder anderweitig unaufmerksam zu sein, so dass möglichst viele Kartoffeln gestohlen würden.

Durch diesen Kniff kosteten die misstrauischen Bauern die ersten Knollen und begannen sie schließlich aus eigenem Interesse anzubauen. Langsam fanden immer mehr Menschen Geschmack an den Knollen mit dem goldgelben Fleisch und lernten ihre lebenswichtigen Nährstoffe und Vitamine zu schätzen. Die ersten Kartoffeln wurden übrigens "Trüffel" genannt, weil sie wie die wertvollen Pilze versteckt unter der Erde wachsen.

Aus dem italienischen tartufolo für Trüffel entwickelte sich schließlich über die altdeutsche Bezeichnung Tartuffel der heutige Name: Kartoffel.

 

Literatur:

Anonymus: Kulturgeschichte der Kartoffel. URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Kulturgeschichte_der_Kartoffel (20.02.2013)